Lola Läufer

Der mechanische Makel Störungen in zeitgenössischen Bildtechniken

Fachbereich Kunst

Während es das Ziel der Druck- und Reproduktionstechnik ist, ein möglichst präzises und fehlerfreies Abbild zu schaffen, wird meine Dissertation jene künstlerischen Ansätze untersuchen, bei denen die Arbeit mit digitalen Bildtechniken bewusst unvorhersehbare Störungen nutzt oder provoziert. Mein Interesse gilt entsprechenden zeitgenössischen Werken, die von ihrem Entstehungsprozess künden, sowie von den dabei aufkommenden »Übertragungsfehlern«, durch die sie unwiederholbar werden. 

Sobald die Künstler_innen die Ausführung ihrer Werke einem Apparat überlassen, geben sie ihre Autorenschaft zumindest teilweise ab. Es entsteht eine hybride Verbindung zwischen künstlerischer Kontrolle und maschineller Eigendynamik. Die Künstler_innen stiften die konzeptionellen Rahmenbedingungen, innerhalb derer die Maschine als ausführendes Organ funktioniert, bleiben aber als Impulsgeber_innen für die Entstehung ihres Werkes unabdingbar.

Hierbei können die Künstler_innen Fehlfunktionen evozieren, indem sie die Technik absichtlich entgegen ihrer eigentlichen Bestimmung gebrauchen. Die Unregelmäßigkeit macht das andernfalls Regelmäßige der maschinellen Struktur sichtbar. Die kreative Zweckentfremdung beinhaltet dabei sowohl den anfänglichen Entschluss als auch die schließliche Unbestimmtheit. Die Künstler_innen wissen zwar, was sie auslösen, aber nicht, was daraus endgültig resultiert; die Bildstörung, die entsteht, war allenfalls beabsichtigt, ihre Visualisierung aber nicht zwangsläufig vorhersehbar. Anhand der Störung durchbrechen die Künstler_innen spielerisch die mechanische Ordnung und den gleichmäßigen Duktus des Geräts. Flecken, Verschiebungen und Interferenzen geben den Werken eine malerische Dimension. 

Da die Künstler_innen gewisse Störungen vermeiden, andere aber bewusst lancieren, treffen sie innerhalb des maschinellen Verfahrens gestalterische Entscheidungen. Es entsteht ein Zusammenspiel künstlerischen Vermögens und technischen Potenzials. In einem offenen Prozess zwischen Manipulation, Planung, Kontingenz und Umsetzung entfaltet das Werk eine eigene Dynamik. Es spiegelt seine Genese in seiner Gestalt, wobei die visualisierte Störung Unmittelbarkeit belegt und das Werk durch seine Transparenz auf die eigene Materialität verweist.

Wenn Kunst auch darin besteht, Dinge sichtbar zu machen, so geschieht dies hier über die Initiierung von Dysfunktionalität und Inkohärenz, über das Veranschaulichen der immanenten Charakteristika und Schwachstellen einer Maschine, die sich dann als überraschende, formal-ästhetische Elemente im Bild manifestieren. 

Betreuende:

  • ​Prof. Dr. Christian Janecke 
  • Prof. Heiner Blum
Bildschirmfoto 2020 07 15 um 09 48 48

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