Maxim Weirich
Leben der Zeichen – Wolfgang Schmidts Nachlass als emergentes System des Denkens und Gestaltens
Fachbereich Design
Der Künstler und Grafiker Wolfgang Schmidt (1929–1995) lebte und arbeitete seit den frühen 1960er Jahren in Dreieichenhain bei Offenbach. Seine Praxis umfasste Gebrauchsgrafik, freie Plakatarbeiten sowie konzeptionelle Piktogrammsysteme. Hinzu kamen seine Lehrtätigkeit und lokal verankerte, politisch motivierte Projekte, etwa zur Erhaltung der Dreieichener Altstadt oder für die Frauengruppe der Hayner Weiber.
Gestaltung erscheint bei Schmidt weniger als Produktion abgeschlossener Kunst- oder Auftragsarbeiten denn als fortlaufender, offener Prozess. Sie vollzieht sich im Zeichnen, Ordnen, Sammeln und Verschieben von Zeichen und konkretisiert sich in Ausstellungen, Drucksachen oder Plakaten. System, Ordnung, Serie und Zeichenbildung sind dabei zentrale strukturelle Prinzipien seines Arbeitens.
Mit der Rückkehr des Schmidt-Nachlasses an die hfg Offenbach ist dieser umfangreiche Materialbestand nach Jahrzehnten wieder zugänglich geworden und soll nun erstmals umfassend wissenschaftlich ausgewertet werden. Dazu zählen Zettelkästen, Entwürfe, Drucke, Notationen, Korrespondenzen und Arbeitsunterlagen aus unterschiedlichen Werkphasen. Der Nachlass dokumentiert nicht allein fertige Ergebnisse, sondern Arbeitsprozesse und macht jene Strukturen sichtbar, in denen sich Schmidts Denken und Gestalten vollzogen haben.
Die Arbeit setzt hier an und untersucht den Nachlass nicht als abgeschlossene Sammlung, sondern als Ausdruck von Denk- und Ordnungsprozessen, welche eigene Formen der Erkenntnis hervorbringen. Methodisch verbindet die Arbeit Archivforschung, designtheoretische Analyse und gestalterische Auswertung. Die systematische Digitalisierung und Verschlagwortung des Nachlasses machen Relationen zwischen Werkphasen, Materialgruppen und Motivkonstellationen sichtbar, die im physischen Archiv nur fragmentarisch erfahrbar wären, und ermöglichen zugleich eine strukturierte wissenschaftliche und öffentliche Zugänglichkeit.
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