Die künstlerischen Arbeiten der HfG-Studierenden Stefanie Haller (*1990) und Ava Leandra Kleber (*1997) entstehen an einer Schnittstelle, an der sich der menschliche Körper, digitale Bildproduktion, Feminismus und kulturelle Erinnerung berühren. Beide Künstlerinnen beschäftigen sich mit den Bedingungen weiblicher Selbstwahrnehmung in einer Gegenwart, die zunehmend durch künstliche Intelligenz, virtuelle Bildwelten und algorithmisch erzeugte Konstruktionen von Identität bestimmt wird.
Stefanie Haller arbeitet mit dem natürlichen Körper, in dem der biologische Kreislauf von Geburt und Tod intrinsisch enthalten ist. Während Haller das von Außen unsichtbare Innere und tief in die Psyche eingewobene Traumata sichtbar macht, fokussiert Ava Leandra Kleber den Kunstkörper. Klebers visuelle Grundlage sind weibliche, westlich geprägte Schönheitsideale aus der Pornoindustrie, in der sexueller Reize im Vordergrund stehen, nicht selten in Form eines unbehaarten, kaukasischen, rosaschimmernden jungen Körpers.
Entsprechend verweist auch der Titel »Corporealities« nicht einfach auf »den Körper«, sondern auf Formen von Körperlichkeit. Der Begriff öffnet einen Denkraum, in dem Körper nicht als etwas Einheitliches oder Naturgegebenes erscheinen, sondern als vielschichtig, gesellschaftlich codiert, medial geformt, kulturell gelesen.
Kuratiert von Nadia Ismail
Eröffnung
26. Juni 2026, 19 Uhr
Martinetz
Molkestraße 81, 50674Köln