Pininfarina Förderpreis

16 years ago
Presse kopie

Die im Wintersemester 2007/2008 gestartete Projektstudie »Wudu« von Ayla Ertürk und Svantje Fenz im Fachbereich Produktgestaltung der Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach hat den mit 1.500 Euro dotierten 1. Preis in der Kategorie Industrial Design des renommierten Pininfarina Förderpreises in Ludwigsburg gewonnen. Der Pininfarina Förderpreis, der 2006 das erste Mal vergeben wurde, bietet Studenten die Chance, sich über die Hochschulgrenzen hinaus dem Wettbewerb zu stellen. Mit den Themenschwerpunkten Architektur, Produktdesign und Transportation Design wird ein breites Spektrum abgedeckt. Motto der diesjährigen Ausschreibung war »Your design for future«.

Die Projektstudie »Wudu« beschäftigt sich mit der rituellen Waschung zur Vorbereitung zum Gebet in Moscheen. Die HfG-Studentinnen Ayla Ertürk und Svantje Fenz stellten fest, dass für Frauen in der Regel keine angemessene Reinigungsmöglichkeit zur Verfügung stehen. Frauen müssen ihre Füße ins Waschbecken biegen, während Männern bequeme Waschgelegenheiten in Moscheen zur Verfügung stehen. Eine Aufgabe für intelligentes Produktdesign, der sich die beiden Studentinnen stellten: Im Sommersemester 2008 verwirklichten sie das Projekt – vom Konzept bis hin zum Modellbau in 1:1.

Zur Aufgabenstellung:

Den im Islam fünfmal am Tag vorgegebenen Gebeten gehen rituelle Waschungen voraus. In arabischen Ländern wird dies Wudu genannt, das bedeutet Schönheit und Reinheit. In und vor den Moscheen befinden sich Waschgelegenheiten, die allerdings nur von Männern benutzt werden dürfen. Frauen, die die Moschee besuchen, waschen sich entweder zu Hause oder auf der Damentoilette der Moschee. Das hat für die Frauen gravierende Nachteile: Vor allem das Waschen der Füße ist eine schwierige Hürde, die zu Gleichgewichtsproblemen führen kann. Alte Frauen und Schwangere können die rituellen Waschungen kaum vornehmen. Zudem sind die Toiletten in den meisten Moscheen mit Wasserhähnen ausgestattet, die von Hand betätigt werden müssen, das Berühren des Wasserhahns erzeugt jedoch wieder eine Verunreinigung. Zudem läuft bei Waschung das Wasser häufig stetig, denn die Reinigung muss unter fließendem Wasser erfolgen. Dadurch geht viel Wasser verloren.

An der HfG Offenbach, an der Prof. Petra Kellner seit einigen Jahren das Arbeitsfeld Interkulturelles Design aufbaut, ist die Verwirklichung solcher Projekte wichtiger Bestandteil der Konzeption zeitgemäßer Design-Lehre. Seit 2006 wird Prof. Kellner durch Prof. Georg-Christof Bertsch unterstützt. Die »Wudu«-Studie ist im Rahmen des interkulturellen Projektes »Reflecting Waters« an der HfG entstanden, in dem es um Wasser und seine Bedeutungen, ökonomisch, ökologisch und spirituell, geht.

Interkulturelles Design an der HfG Offenbach:

Prof. Petra Kellner begann 2004/05 damit, einzelne Ansätze des Bereichs Interkulturelles Design systematisch zusammenzufassen. Prof. Georg-Christof Bertsch lehrt seit 2006/07 an der HfG Offenbach zu diesem Themenkomplex. Er ist auch als Gastdozent an der Istanbul Teknik Üniversitesi sowie als Visiting Professor an der Bezalel Acamdemy of Art & Design Jerusalem tätig. Zusammen haben beide im Juli 2007 die Internationale Projekt Plattform Offenbach, IPPO, gegründet, die internationale Vernetzungen vorantreibt. IPPO hat bereits zwei Symposien, dazu eines mit internationalen Rednern, zum Thema Wasser veranstaltet. Die Plattform kann auf einen hochkarätigen internationalen Beirat aus Designern, Ingenieuren, Juristen zählen, der Aktivitäten initiiert sowie bei Projekten berät. Auf der IPPO-Website hat sich bereits jetzt ein aktives Netzwerk von Designprofis und Studenten gebildet, die in diesem Segment arbeiten.

10.11.08

Pdf-Downloads zum »Wudu«-Projekt unter:
www.ippo-hfg.org/scripts/project.php?projectid=1
(Scrollen bis Projekt-Ressource 9.7.2008 9:36)

Weitere Infortmationen unter:
www.ippo-hfg.org