Fotografie

Das Schreiben mit Licht

Die Fotografie an der HfG Offenbach setzt sich mit den künstlerischen Möglichkeiten der digitalen und analogen Bildfindung auseinander. Die apparative Bilderzeugung ist das zentrale Medium der digitalen Revolution, sie ist die Hauptdarstellerin der Gentrifizierung des Sehens. Die Invasion der bildlichen Neozoen besiedelt schon den Großteil unserer Welt, niemand braucht mehr physisch vor Ort sein, um alles sehen zu können. Die stammelnde Sprache der elektronischen Kurzmitteilungen geht händchenhaltend mit dem Verlust eines physischen Aufeinandertreffens ins Nirvana der sich exponentiell verfettenden Bilddaten. Der Auslöser als Totmannknopf. Diese eine Sekunde, die diese Bilder leben: posieren, posten, post mortem.

Aber: Wie erschafft man etwas Haltbares, das nicht nur den Fotografen und den Fotografierten interessiert? Es gilt, neue Definitionen, Wege und Gültigkeiten der Bilder zu erforschen. Die HfG ist in der offenen Struktur der Vernetzung der Lehrgebiete ein spannendes Labor, um Fragen zu formulieren, Experimente zu starten, scheitern zu können und Antworten zu finden.

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Venedig, 2013

Foto: Rudi Weißbeck

Doktorandin

Margret Hoppe

Der Architekt des Fotografen – Zur Beziehung zwischen den Fotografien von Lucien Hervé und der Architektur Le Corbusiers

Betreuende: Prof. Martin Liebscher, Prof. Dr. Marc Ries

Informationen zur Promotion

Projekte 2018

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Pheromon

Jennifer Bannert

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Ausstellungsansicht

Foto: Albrecht Haag

The Biography of Things

2. Februar bis 27. April 2018

Art Collection Deutsche Börse

Deutsche Börse AG, The Cube, Eschborn

The Biography of Things

Die Ausstellung The Biography of Things geht der Frage nach, wann und wie Dinge durch die Fotografie zu Akteuren werden und neue Realitäten entfalten können. In unserem Alltag sind wir überall von Objekten umgeben. Sie sind nicht nur ein Teil unserer Umgebung, sondern geben auch Auskunft darüber, wie wir unsere Umwelt wahrnehmen und selbst wahrgenommen werden wollen. Bisweilen kann ein Objekt eine unklare, nahezu mysteriöse Vitalität entwickeln, sodass es sich nicht mehr bloß als Ding verstehen lässt. In der künstlerischen Auseinandersetzung nimmt die Kamera dabei eine Vermittlerrolle ein – ein Fernrohr mit Sicht in die Welt der Dinge, die eigenen Gesetzen unterworfen zu sein scheint und unsere Wahrnehmung auf die Probe stellt. Sieht man sich die Objekte genauer an, mit denen wir uns umgeben, die wir produzieren, bearbeiten oder einfach nur auffinden, so ist dies auch immer wie ein Blick in den Spiegel: Durch das Medium der Fotografie, die Realität ebenso abbilden kann wie sie Fiktion erschafft, lehren uns die Porträts von den Dingen, wie wir unsere Umwelt und uns selbst sehen – oder gerne sehen würden.

The Biography of Things ist eine Kooperation der Deutsche Börse Photography Foundation und dem Lehrgebiet Fotografie der HfG Offenbach sowie Studierenden des Masterstudiengangs Curatorial Studies der Goethe-Universität und der Hochschule für Bildende Künste/Städelschule in Frankfurt.

Auf Initiative der Deutsche Börse Photography Foundation kuratierten die Studierenden des Masterprogramms eine Ausstellung mit fotografischen Werken der HfG-Studierenden. Ziel des Projekts war es, beiden Studiengängen die praktische Erfahrung zu ermöglichen, eine gemeinsame Ausstellung zu realisieren. Rund 80 Arbeiten von 15 Studierenden der HfG wurden gezeigt, ergänzt durch eine umfangreiche Auswahl an Werken der Art Collection Deutsche Börse, die das Thema ebenfalls reflektieren. In der Frankfurter Innenstadt war darüber hinaus vom 13. Februar bis 5. März 2018 auf der C-Ebene der Hauptwache ein temporäres Ausstellungsprojekt mit Arbeiten von fünf HfG-Künstler_innen im Außenraum installiert. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen.

Teilnehmende

Zani Arkadina, Janine Bächle, Jennifer Bannert, Laura Brichta, Urs Tilman Daun, Béla Feldberg, Annika Grabold, Dennis Haustein, Johannes Lenzgeiger, Felicitas von Lutzau, Nico Anthony Mason, Malte Sänger, Robert Schittko, Jochen Stierberger und Rudi Weissbeck

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Foto: Albrecht Haag

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Amerika

Serie

Felicitas von Lutzau

Comment ai-je pu me perdre?

Die Fotografie durchstößt das Raum-Zeit Kontinuum. Die aus der Zeit gefallenen Bilder verweben sich zu einer Auflösung der Zentralperspektive. Der deutsche Künstler und Professor für Fotografie Martin Liebscher sowie Anne-Marie Beckmann von der Deutschen Börse Photography Foundation haben Arbeiten von Kunststudierenden ausgewählt, die sich mit dem Verhältnis von architektonischem und bildnerischem Raum auseinandersetzen.

Mit Arbeiten von Janine Bächle, Laura Brichta, Urs Tilman Daun, Annika Grabold, Dennis Haustein, Nikolaus Kockel, Felicitas von Lutzau, Paul Pape, Malte Sänger, Robert Schittko, Jochen Stierberger, Rudi Weissbeck

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Annika Grabold/Rudi Weissbeck

Foto: Urs Tilman Daun

13. April bis 10. Juni 2018

GOETHE-INSTITUT PARIS

17 avenue d'Iéna

75116 Paris

Mit Unterstützung der Deutschen Börse Photography Foundation. Im Rahmen von Focus Frankfurt

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Robert Schittko

Foto: Urs Tilman Daun

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Felicitas von Lutzau

Foto: Urs Tilman Daun

Paul pape

Paul Pape

Foto: Urs Tilman Daun

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Malte Sänger/Jochen Stierberger

Foto: Urs Tilman Daun

Projekte 2012 bis 2014

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Absolute Geography

Rundgang 2013

Projekte 2013/14

​»Less is a bore« meinte Robert Venturi 1969

Die internationale Moderne ist gescheitert und wie ein Brühwürfel aufgelöst in der globalisierten Minestrone der kako-optischen Stadtlandschaften des 21. Jahrhunderts
Sommersemster 2015

In Pisa verfolgen sämtliche Touristen die eine kollektive Bildidee: Dutzende Reisende scheinen die gleichen Thai Chi-Bewegungen zu machen. Erst in der Bildwerdung aus einem exakten Betrachterstandpunkt wird klar, dass mittels Dimensionsreduzierung des Raumes zum flachen Bild, der schiefe Turm im Blickwinkel des zykolpischen Apparates durch die Geste vorm Umfallen gestützt erscheint. Diese Simulation findet folgerichtig auch vor dem Nachbau des Turms in der Modellwelt des Freizeitpark Beijing World Park statt: Es werden genau die gleichen Gesten vollführt, so dass die gefälschte Wirklichkeit in der doppelten Verneinung zu neuer Bildrealität wird.

Das Venetian Resort Hotel in Las Vegas ist ein urbaner Fake der Lagunenstadt. Die Hyperrealität eines Nachbaus der im brackigen Wasser faulenden Inselstadt in knochentrockener Wüste, ist die Fata Morgana der Postmoderne. Seit Scott Browns & Venturis »Learning from Las Vegas« ist die profanierende Verdisneysierung historischer Gebäude exponentiell ins Extrem getrieben worden. Las Vegas ist das Role Model einer Stadt als Event. Unsere urbane Realität ist durchlöchert von post-postmodernen Versatzstücken real gebauten Raumes, künstlichen Steinen und der Bildwirklichkeit schwarzer Löcher haushoher Mega-Plakate.

Welches Bild der Stadt lässt sich finden und welche Vorstellungen vom Stadtraum können wir erzeugen? Die Fotografie ist die Raubkopie der Realität. (Sommersemester 2014)

Parasitographie

Wintersemester 2013/14

​Das widerlichste in der Fotografie ist das Licht. Ohne diesen Wirt, dieses auf ekelhafteste Weise wellen- UND teilchenförmige Zwitterwesen verendet das Abbild elendiglich. Die Fotografie hängt wie eine Zecke an der Realität. Die Ekto- oder Außenparasiten, nämlich die Motive, sind Lebensgrundlage der zentralperspektivischen Lichtausbeute. Die Endo- oder Innenparasiten bezeichnen die gnadenlose Second Hand-Verwertung wiedergekäuter Bilder. Der Zugriff auf diese halbverwesten Bilddateien ist einfach: unser ach so guter Freund Google speit Millionen dieser Mikroparasiten auf unseren Schreibtisch aus. Der schmarotzerische Datendieb braucht die Realität des Zimmers nicht zu verlassen, um mit Hilfe des Transportwirtes Streetview in den verlassensten Straßen der Welt umher zu vagabundieren. Besonders Erfolg versprechend ist das Absaugen von Fehlern in den Bildern, eine Suche nach den eiternden Wunden der Mutationen.

Die Silberfotografie liegt siech danieder, sie war am Ende doch nur ein Fehlwirt, ihre in leimiger Trägerschicht siedelnden Silberlarvenarven werden von digitalen Mutanten aufgefressen.

Antimaterie

Sommersemester 2013

Eine Fotografie ohne Motiv ist ein schwarzes Loch im Bilderkosmos. Der Index, die für das fotografische Bild unerlässliche Realität, vaporisiert in der abstrakten Fotografie zu Staub. Seit Anbeginn der Fotografie gibt es zwei Tendenzen: Die punktgenaue zentralperspektivische Abbildung und der Kampf um die Befreiung des Bildes vom Abbild. Letzterer allein führt durch die Loslösung von der Wirklichkeit zu einem wahrhaft autonomen Bild. Das fotografische Korn ist immer noch gegenständlich, nämlich das physische Abbild eines Silberhalogenids. Das digitale Bild ist in seiner tiefsten Tiefe der latenten Struktur des Codes abstrakt. Reality sucks.

Exhibition 1822ffm

Projekte 2012/13

F For Fake – Fälschung

Die bewusste Herstellung eines Objektes zur Täuschung Dritter
​Wintersemester 2012/13

Die eingeschriebene Wahrheit der fotografischen Abbildung hat schon immer zum Manipulieren des objektiven Sachverhalts verleitet. Heute sind die fotografischen Bilder unser Golem. Andere Kommunikationsmittel wie Sprache und Schrift werden in der visuellen Evolution entschieden ausgerottet. Während der explosionsartigen Vermehrung des Visuellen verschwinden ungebetene Gäste von den Bildern, Wasser wird zu Blut und die verphotoshopten Models mutieren zu den Frankensteininnen der 2010er-Jahre. Die Invasion der bildlichen Neozoen besiedelt schon den Großteil unserer Welt, niemand muss mehr physisch an einem Ort sein, um das wahrzunehmen.

Seltsamerweise ist inzwischen der augenscheinliche Wahrheitsgehalt umgedreht: Die Entdeckung der Fotografie feierte das objektive Selbstabbild der Welt in einer durch Menschenhand nie erreichten Detailfülle. Nun billigen wir den verwackelten Handyshots mehr Authentizität zu als superscharfen Megapixelbildern, in denen die Welt punktgenau abgebildet wird. Die nostalgische Sehnsucht nach dem Analogen, dem Echten, dem Wahren ist der Backdraft des Bilderozeans. Wer kann schon an den Aufnahmeort reisen, um zu sehen, dass Google nicht lügt und Curiosity nicht doch nur Bilder der Mojave-Wüste liefert?

Der Apparat als Werk

Sommersemester 2012

Absurderweise kann die Kamera nicht sich selbst wahrnehmen, der Fotoapparat bleibt in seinen eigenen Bildern unsichtbar. Die sehende Maschine, die sich nicht selbst sehen kann. So wie wir unseren eigenen Körper nur in Teilen und bloß in der Reflexion eines Spiegels oder Fotos in der Gänze wahrnehmen können. Diese Blindheit des von innen nach außen sehenden Apparats kann nur in der Projektion geheilt werden. Im Betrachten des Bildes unseres Körpers tritt unser Auge anstelle des schwarzen Lochs der Linse – auf unserer Netzhaut erscheint das Echo dessen, was die Kamera einmal sah. Einige Künstler richten ihren Fokus auf den Apparat selbst und schlachten die industriell hergestellten Maschine und ihre zentralperspektivischen Doktrinen. Sie manipulieren den Sehapparat, weiden ihn aus, malträtieren ihn mit Hammer und Lötkolben oder bauen selbst Apparate aus Dosen, Schildkröten oder Häusern und transformieren so die Maschine selbst zum Werk.

So baut Miroslav Tichý seine Objektive und Kameras selbst und wird als Voyeur unsichtbar: augenscheinlich glaubt niemand an die Funktionsfähigkeit der Apparaturen. Der Amerikaner Abelardo Morell konvertiert ganze Hotelzimmer in Camera Obscuras, Steven Pippin wandelt den kompletten Passbildautomaten zur Lochkamera um, baut fotografierende Waschmaschinen, in denen die Bilder gleich entwickelt und gewässert werden können oder verwandelt ganze Häuser zu Lochkameras.

Thomas Bachler nutzt den eigenen Körper als Bilderzeuger, indem er mit den Lippen die Linse formt, die einen im Mundraum befindlichen Film belichtet. Michael Wesely konstruiert Kameras, die über mehrere Jahre belichten. Mirjam Kuitenbrouwers schafft Foto-Objekte, in die das Motiv gleich mit eingebaut ist. Krebs & Onorato lassen Schildkrötenpanzer und Fotobücher fotografieren, Ottmar Hörl schmeißt seine Nikon aus dem Flugzeug; sie fotografiert ihren eigenen Tod. Doug Rickard oder Viktoria Binschtok können die Welt fotografieren, ohne das Haus zu verlassen. In Google Earth sind wir innerhalb einer Weltkamera, die schon Zeit und Ort festgelegt hat, ein Fernauslöser, bei dem nur noch der Ausschnitt festgelegt werden muss. Der Sehapparat löst sich vom Körper. Die Nasa schießt ferngesteuerte Augen auf den Mars, sie sehen Bilder ohne die Notwendigkeit oder gar Möglichkeit der physischen Anwesenheit des Fotografen.

Projekte 2009 bis 2012

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​Mi­ni Eu­ro­pe

Aus­stel­lung Mo­nat der Fo­to­gra­fie, Ber­lin, 2013

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Mini Europe

Aus­stel­lung Mo­nat der Fo­to­gra­fie, Ber­lin, 2013

Projekte 2011/12

Bild & Wirklichkeit

Smith & Wesson
Wintersemester 2011/12

Der Schatz im Silberbromidsee – Karl May war nie in den USA und hat trotzdem unser Bild der amerikanischen Pionierzeit geprägt. Die erzählte Geschichte dominiert das tatsächliche Geschehen. Unsere Vorstellung vom American Way of Life, von endloser Weite On the road, ist weitgehend von medialisierten Bildern bestimmt. Der Reisende, der zum ersten Mal die Skyline von New York erblickt, erlebt einen Ort, der ihm schon seit tiefster Kindheit in zahllosen Erinnerungen in das Gedächtnis betoniert wurde. Tief sitzende Bilder, die bis in die ersten Gedankenfetzen zurückreichen – von einem Ort, den er niemals vorher physisch betreten hat. Die umgekehrte Zeitlinie – zuerst die Erinnerung, dann das reale Ereignis – verursacht einen Crash, einen Bewusstseinsschock, der eklatant für unsere neuzeitliche Wahrnehmung steht.

Wir kennen Amerika, bevor wir dort waren. Gerade die Bilderwelten der technischen fotografischen Naturselbstabbildung erzeugen diese flirrend glaubhafte Realität. Die ursprünglich sozialdokumentarischen Positionen einer Straight Photography verwandeln sich ab den 60er-Jahren zunehmend zur selbst- und medienkritischen Kunst. Die technischen Medien, die sklavisch parasitär von der Wirklichkeit zehren, sind für jeden bilderzeugungsdemokratisch verfügbar. Jeder Analphabet kann sie benutzen; Europa hat die Fotografie erfunden, Amerika hat mit Kodak die erste Einwegkamera auf den Markt gebracht: You press the Button, we do the Rest.

Der amerikanische Western oszilliert ebenfalls zwischen Vorstellung und Geschichtsschreibung. Die Geschichte ist nicht mehr nachprüfbar, da in der Zeit verloren. Die frühen Western aber mythologisieren die Vergangenheit und behaupten eine eigene Realität. Die 90-minütige Scheinrealität bricht im Spätwestern auf; wie in der Kunst auch muss das Genre sich selbst reflektieren, kritisieren und ironisieren um zu überleben. Der europäische Italowestern bedient sich der Bilder und Mythen, um in der spanischen Wüste im Showdown doppelter Verneinung den Western vom Wahrheitsanspruch zu befreien.

Sammeln, Sammler, Sammlung

Der Künstler als Sammler
Sommersemester 2011

Glaubt man Freud, dann fängt der Mensch schon in seiner analen Phase – mit zwei bis drei Jahren – an, lustvoll zu sammeln und zu horten (und zwar sich selbst). Später treibt er sich dann auf Ü-Ei-Figuren-Tauschbörsen rum und verbringt Stunden in den gigantischen Bilder-Sammlungen auf der eigenen Festplatte und im Internet – dem Tempel der ausufernden Messi-Anhäufungen. Wir sammeln Unmengen an digitalen Bildern – und am Ende des Jahres bleibt doch nur eine Handvoll von Bedeutung. Wieso schaffen es nur so wenige Bilder über die Zeit? Was sind unsere Auswahlkriterien und wann und wo genau treffen wir sie?

Es gibt zwei grundlegende Methoden der Bilderbeschaffung: Für den sesshaften Bilderwirt steht die zielgerichtete Pflege und Aufzucht der Bilder im Mittelpunkt, die stationär erfolgt. Die Jäger und Sammler müssen raus: Um die Bilder der Wirklichkeit zu entreißen, durchstreifen sie Ihre Jagdgebiete mit mehr oder weniger ausgefeilten Schussapparaten. Für das Erheischen ähnlicher und gleicher Dinge oder Zustände eignet sich die Camera Obscura besonders. Dieses Sammeln kann als konzeptuelle Fotografie ausufern.

Sammlung als Kunst
Die schönste Beute wird auf dem Markt verkauft und der Käufer zeigt seinen Fang zu Hause her. Auch der Sammler ist ein Bilderjäger, allerdings schmückt sich die Schau mit fremden Federn: Der Jäger hat das Bild gemacht, der Sammler stellt es aus. Schon die Wunderkammern der Spätrenaissance präsentieren nicht nur wunderliche Raritäten und Kuriositäten, sondern auch ihren Besitzer. 

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Arne Jacobson Tour

Kopenhagen, 2012

Projekte 2010/11

Vom Verschwinden der Dinge und dem Rand der Welt

Die Absenzen im Bild
Wintersemester 2010/11

Zwei Männer schauen in ein Loch. Wir sehen nur das Sehen – was ihr Interesse weckt, ist nicht ersichtlich. Der Rand der Fotografie ist das Ende der sichtbaren Bildwelt. In der traditionellen Bilderwelt ist das, was auf dem Bild zu sehen ist, auch das, was gezeigt wird. Die Fotografie als Ausschnitt der Welt verschweigt dagegen alles, was nicht im Sucher erscheint. Was passiert außerhalb des Sichtfeldes? Ist die Welt eine Scheibe oder das Bild eine Kugel?

Ränder
Wo hört Kunst auf und beginnt der Wahnsinn? Warum können nicht nur die sichtbare Welt, sondern Gedanken und das Innere von Körpern fotografiert werden? Was spielt sich hinter meinem Kühlschrank ab – und wie kann ich das fotografieren? Beeinflussen Kältestrahlen die chemische Entwicklung des Polaroids?

Bilder des Verschwundenen
Das Foto ist brutal. Eine Fotografie zeichnet alles auf, was sich im Moment der Aufnahme vor der Linse befindet und Licht reflektiert – ohne Wertung, ohne Unterschied. Ob lebendig oder tot. Spurensuche: Können verschwundene Dinge abgebildet werden? Wie können sich Dinge in die Silbergelatine einbrennen, die sich nicht mehr in unserer Zeitgenossenschaft befinden?

Negativland
Die Fotografie zeigt einen Moment, der Sekundenbruchteile nach dem Augenblick des Auslösens schon längst Vergangenheit und unwiederbringlich ist. Der Versuch, der Zeit ein Bild zu entreißen, manifestiert sich im Bild als eigentliches Ding. Das Bild wird zur Wahrheit, nicht das Abgebildete. In der Fotografie auf ewig gefangen, schauen uns Tote an. Ein Fenster in das Reich der Zombies und Untoten. Kann aber die Fotografie in die entgegengesetzte Richtung wirken? Kann statt dem unabdingbaren Verschwinden des Motivs und dem – im Gegensatz dazu – stabilen, statischen Bild auch Verschwundenes oder das Verschwinden an sich dargestellt werden?

Double Room

Die Welt im Bild. Das Universum der Inszenierung – Area 51
Sommersemester 2010

Im Filmklassiker »Unternehmen Capricorn« simulieren die Herren Brubaker, Willis und Walker ihre Marsmission im Studio und müssen erkennen, dass sie in die Wirklichkeit nur entleibt zurückkehren können. Die Flucht aus dem tödlichen Schauspiel führt in Mojave-Wüste und endet für den letzten Überlebenden Brubaker in der Realität: der Inszenierung seiner eigenen Beerdigung. Die Realität übernachtet im Restaurant am Rande des Universums. In den Transient Rooms, den Durchgangsräumen der Bilder, bleibt die Wirklichkeit als halb durchgegarte Hauptspeise mit verschmähten Sättigungsbeilagen auf dem Teller der Abbildungsmatrix liegen. Halb verdaut wird das Bankett abgeräumt – von den Bildern sendet die Lichtreflexion Wirklichkeitsreste in unser Hirn. Das Abgebildete ist der Avatar im Second Life der Bilder. Wir werden die Kontrolle über die Bilder der punktgenauen Abbildung entreißen, die Realität kontrollieren und den Bildraum selbst inszenieren. Die Realität ist tot, es lebe das es lebe das Bild! Die Antwort ist 42.

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Projekte 2009/10

Das plastische Photobild

Wintersemester 2009/10

Kurz nach der Erfindung der räumlichen Fotografie 1849 setzte ein Boom des Raumbildes ein, der Blick in den Guckkasten der Realität faszinierte die Menschen auch in den 1920ern und erreichte einen weiteren Höhepunkt um 1950, auch im Kino (»Creature of the Black Lagoon« etc.).
Die räumliche Fotografie und ihre Vorzüge
Die räumliche Fotografie verlässt die zweidimensionale Zentralperspektive. Zylinder- und Kugelpanoramen ermöglichen einen betrachtergesteuerten Blick auf eine umfassende Weltdarstellung. Interaktive Kugelpanoramen mit Asservatenlinks werden als moderne Tatortfotografie eingesetzt. Neueste Imax-Filme zeigen im kompletten Sichtfeld Dreidimensionale Farbfilme. Auf Google Earth verschiebt sich die Perspektive: Nicht mehr nur der gottgleich distanzierte Blick der Satellitenbilder, nun können Großstädte auch mittels einer Matrix verbundener Kugelpanoramen auf Augenhöhe durchgangen werden. Die Aeronauten sind gelandet.
Die theoretische Grundlage für die Herstellung der Stereoskopenbilder auf dem Wege der Fotografie und deren sachgemäße Betrachtung durch Stereoskope
​Untersuchung verschiedener Formen der lichtbildnerischen Raumdarstellung. Die Fotografie ist eine Kugel, die Erde eine Scheibe. Wir werden das Raumbild auch in der digitalen Überwindung des Abbildes erforschen. Es existieren kaum künstlerische Positionen, die sich ernsthaft mit dem Raumbild beschäftigen. Wir betreten eine Terra Incognita. Hic sunt leones.

Tatorte

Verdacht
Sommersemester 2009

Ein Holzfäller, ein Mönch und eine weitere Person suchen in einer Tempelruine Unterschlupf vor dem Regen. Ihr Gespräch bildet die Rahmenhandlung und dient als Ausgangspunkt für Rückblenden. Der Holzfäller hat vor drei Tagen im Wald die Leiche eines Samurais gefunden; dem Mönch erzählt er von der darauf erfolgten Gerichtsverhandlung. Es sagen mehrere Zeugen aus, darunter der Täter. Unbestritten ist lediglich, dass der Räuber Tajomaru vor den Augen des gefesselten Samurais dessen Frau Masago vergewaltigt hat; was danach folgte, darüber geben die Beteiligten höchst unterschiedliche Berichte vor Gericht ab. Existiert eine objektive Realität? Ist das Bild wirklicher als der Ort? Beweist eine Aufnahme, dass etwas aufgenommen wurde?
Ich sehe was, was Du nicht siehst – Wurmfortsätze der Realität
Vom Raum in die Fläche und wieder zurück. Jeder Punkt auf dem Lichtbild entspricht der Reflexion eines Punktes im Raum. Dieser Irrtum der Achsensymmetrie der Fotografie hielt sich hartnäckig mehr als 100 Jahre.
Offenbach / Hongkong: achsensymmetrisches scheitern
​Was in Hongkong die Lebensadern der Stadt sind, ist in Offenbach gescheitert. Der Fußgängerbereich in zweiter Ebene wurde 2005 abgerissen, Brückenstummel zeugen von der gescheiterten Utopie der 60er-Jahre. Die zerstückelte Stadt soll Ausgangspunkt der Forschungsarbeit sein. Die Fotografie war über 100 Jahre Sklave der Realität. Ausgehend von der klassischen Architekturfotografie soll eine neue Sichtweise auf Stadt, Raum, Architektur erarbeitet werden, neue Bilder urbaner Landschaften sollen entstehen. Das Objektiv bildet jeden Punkt des Raumes in einem Punkt der Fläche ab. Was kann die Kamera sehen, was das Auge nicht sieht? Wie kann die bildnerische Reduktion des Dreidimensionalen auf das Zweidimensionale zur Mehrdimensionalität erweitert werden? Wie kann eine zentralperspektivische Sichtweise auf die Stadt aufgelöst werden?

Projekte 2007 bis 2009

Size matters

Wintersemester 2008/09

Nach der Verdampfung von Raum und Zeit zum Zweidimensionalen 9x13-Format formuliert das fotografische Bild einen eigenen Maßstab. Die Verschiebung der Dimension, die Dehnung der Zeit und die Stauchung des Raumes werden Forschungsgegenstand sein. Gebaute Bildwelten, mikrotische Realitäten – aufgenommen mit Großformat, Lochkamera und Makroobjektiv. Im Universum des Bildes verwischen die Spuren der wirklichen Größe. Kleine Welten. Modelle. Bildgebende Fotografie.

»Eine Photographie zeigt nie die Wahrheit«
Richard Avedon, 1923
»Ein Foto sagt nicht länger die Wahrheit. Es schlägt nur eine Möglichkeit vor«
​photokina, 2000

Vom Sampeln der Bilder

Sommersemester 2008​

Im weißen Rauschen der Milliarden Bilder bilden sich neue Galaxien und Supernovas. Schwarze Löcher im Bilderuniversum schlucken Unmengen von Bildmaterial. Das Forschungsthema in diesem Semester ist der Clash der Bilder. Die klassische Technik der Collage tritt in eine neue Dimension. Kaum ein mediales Bild ist heutzutage unbearbeitet – aus dem Setzkasten der Fotografie wird wild gesampelt. Untersucht wird das Feld von klassischer Collage Technik (Schwitters, Heartfield etc.) bis zu digital manipulierten Samples (Hockney, Wall, Gursky u.a.).

»Collage-Technik ist die systematische Ausbeutung des zufälligen oder künstlich provozierten Zusammentreffens von zwei oder mehr wesensfremden Realitäten auf einer augenscheinlich dazu ungeeigneten Ebene - und der Funke Poesie, welcher bei der Annäherung dieser Realitäten überspringt.« (Max Ernst, 1962) 

Bilder des Unsichtbaren

Unter der Oberfläche der Dinge
Wintersemester 2007/08

Seit Entdeckung der Fotografie haftet Ihr etwas Magisches an. Kann sie aber Magie abbilden? Die Fotografie als Verfahren, das Unsichtbare abzubilden. Von wissenschaftlicher Hochgeschwindigkeits- und Mikro/Markro-Fotografie bis hin zur Fluidal- und Gedankenfotografie. Betrugsfälle in der okkulten Fotografie und ihre Auswirkungen in der zeitgenössischen Kunst.

  • Anna und Bernhard J. Blume: »Transzendentaler Konstruktivismus«
  • Sigmar Polke: »Höhere Wesen befahlen: rechte obere Ecke schwarz malen!«
  • ​​Johannes Brus, ​Mike Kelley​, John Baldessari, Marcel Duchamp​, László Moholy-Nagy​, Man Ray, ​Ted Serios
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Le Corbusier04

Paris, 2013

Foto: Urs Daun

Kalender

26. Mai 2015 bis 12. April 2018
12 April 2018 Donnerstag
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1 Februar 2018 Donnerstag

The Biography of Things

bis 27. April
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23 Januar 2018 Dienstag

Hidden Places - Von der Sichtbarmachung des Verborgenen

20:00 Uhr, Isenburger Schloss, linke Kapelle
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20 Juni 2017 Dienstag

Vortrag von Margarita Broich

19:30 Uhr, Isenburger Schloss, linke Kapelle
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17 Januar 2017 Dienstag

Hunting

18:00 Uhr, Isenburger Schloss, linke Kapelle
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15 Dezember 2016 Donnerstag
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29 November 2016 Dienstag
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27 Oktober 2016 Donnerstag

Off We Go

bis 13. November Satellit Berlin
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4 Februar 2016 Donnerstag

Asphalt

bis 24. März
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30 Oktober 2015 Freitag

Learning from Las Vegas. Reloaded

bis 8. November projektraum streitfeld, München
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18 September 2015 Freitag

Brand New Bright Blue

bis 11. Oktober Satellit Berlin
Brandnewnew
7 August 2015 Freitag

Summer in the city X

bis 5. September Martin Asbæk Gallery, Kopenhagen (DK)
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9 Juni 2015 Dienstag

Il buono, il brutto, la realtà: Andreas Schlaegel

19:00 Uhr, Isenburger Schloss, linke Kapelle
2 Juni 2015 Dienstag

Il buono, il brutto, la realtà: Christiane Feser

19:30 Uhr, Isenburger Schloss, linke Kapelle
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26 Mai 2015 Dienstag

Il buono, il brutto, la realtà: Susanne Kriemann

19:00 Uhr, Isenburger Schloss, linke Kapelle
Il buono yuan wang

News

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vor 6 Tagen

HfG-Alumnus auf Erfolgskurs

Sechs Monate nach seinem Diplom geht es rund bei Alumnus Malte Sänger: Seine Arbeiten wurden in die Art Collection Deutsche Börse aufgenommen, er hat einen Fotobuchpreis gewonnen, gehört zu den Preisträger_innen bei »gute aussichten« und wurde zu »Plat(t)form 2019« eingeladen.

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vor 7 Monaten

Erster ISO 5000 Fotopreis vergeben

Erste Preisträgerin des mit 5.000 Euro dotierten und ausschließlich unter Studierenden der HfG Offenbach ausgeschriebenen Fotopreises ISO 5000 der Hans und Annemarie Weidmann-Stiftung ist Laura Brichta.

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vor 2 Jahren

Erfolg beim Marianne Brandt Wettbewerb

Der HfG-Student Malte Sänger ist mit seiner Arbeit »Partition« Zweiter in der Kategorie Versuchsanordnungen beim 6. Internationalen Marianne Brandt Wettbewerb geworden.

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vor 2 Jahren

Bildband zu On Stage

Im April erscheint der Bildband zur Wanderausstellung On Stage. Die Ausstellung, initiiert von Clemens Mitscher, Lehrer für Fotografie an der HfG und umgesetzt mit seinen Studierenden, zeigt Konzert- und Bühnenfotos.

Karolin back
vor 4 Jahren

gute aussichten - junge deutsche fotografie

Die HfG-Absolventin Karolin Back gehört zu den PreisträgerInnen des Fotopreises »gute aussichten – junge deutsche fotografie«, deren Ausstellung am 23. November 2014 um im Museum Marta in Herford eröffnet.

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vor 4 Jahren

HfG Offenbach : Satellit Berlin

Prof. Martin Liebscher und Jule Hillgärtner (HfG) kuratieren eine Ausstellung mit Arbeiten der HfG-Studierenden Oliver Dignal, Pujan Shakupa, Stefan Stark und Thomas Weyand unter dem Titel »Mini Europe«.

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vor 4 Jahren

Positions Berlin

Vom 18. bis 21. September 2014 findet die Positions Berlin im Rahmen der Berlin Art Week statt. Im Academy-Nachwuchsprogramm präsentiert die HfG Offenbach drei AbsolventInnen: Florian Albrecht-Schoeck, Xenia Lesniewski und Sven Prothmann.

Eulitz
vor 4 Jahren

Der Deutsche Börse und HfG Fotoförderpreis 2014

Die Deutsche Börse AG hat 2014 zum fünften Mal den Deutsche Börse und HfG Fotoförderpreis für eine künstlerische fotografische Arbeit ausgeschrieben. Der mit 2.500 Euro dotierte Preis wurde an Max Eulitz vergeben.