Labor Kunst

Seit 2017 ist Merja Herzog-Hellstén als Lehrkraft für besondere Aufgaben neben Ihrer Lehrtätigkeit auch mit dem Auf- und Ausbau des Labor Kunst betraut.

Das Labor Kunst soll die Umgebung zur Förderung und Entwicklung der gestalterischen Fähigkeiten im dreidimensionalen Bereich bereitstellen und ganz konkret der Vermittlung diverser künstlerischer Praktiken zur Umsetzung und Realisation von künstlerischen Konzepten dienen. Dabei bilden zunächst die bereits existierenden Bereiche Holz und Mixed Media gemeinsam mit den im Aufbau begriffenen Bereichen Keramische Bildhauerei und 3D Druck den vorläufigen Kern der Werkstätten. Im Rahmen Ihrer Lehrtätigkeit führt Merja Herzog-Hellstén Studierende mit variierenden Semesterkursen zu Themen der Raumeinnehmenden Gestaltung in die Werkstätten ein.

Form

Wer Formen formt, lässt Raumkörper entstehen. Eine 360°-Begegnung mit dem sichtbaren Gegenüber wird möglich. Die Wahrnehmung von Details und Formeigenschaften fängt an. Eine Form schickt uns kommunikative Signale, die durch Erkennen und Rezipieren lesbar werden.

Erkennen ist wie ein Phänomen. Eine konzentrierte Ladung von Information, die sowohl blitzartig schnell als auch mit gewichtiger Wucht unsere Gedanken und Empfindungen überschlagen lässt. Ein geistiger Weckruf und ein äußerst aktiver Zustand. Ein solcher Zustand hat großes Potential öfters begehrt zu werden. Ideell ein regelrechter Nährboden.

In jeder Phase des Formschaffens wird der Raumkörper mit zahlreichen Entscheidungen konfrontiert, bewusst oder unbewusst, bis ein individuelles Ergebnis feststeht. Differenziertes Erkennen der einzelnen visuellen Elemente und die Möglichkeit sie nuancenreich gestalterisch nach eigenem Konzept beeinflussen zu können, ist zentral, um die visuelle Aussage der Form mit dem Inhalt in Übereinstimmung zu bringen. Nicht weniger relevant für das Gelingen ist die Fähigkeit mit versierter »Augen-Hand-Koordination« die Gedanken zu transportieren. Die Kultivierung des Intuitiven fängt an.

Ein Reiz der Bildsprache liegt in ihrer reichhaltigen und vielschichtigen Komplexität und dem fast unbegrenzten Ausmaß von Variationsmöglichkeiten. Chance und Last aus einer unendlichen Anzahl von Kombinationsmöglichkeiten wählen zu können um der gewünschten Aussage möglichst nahe zu kommen. Diese Freiheit, mit den eigenen Fähigkeiten und Vorstellungen zu navigieren, stellt jede(n) Kunst schaffende(n) vor eine Herausforderung bis ein Ergebnis feststeht.

Eine Idee und Absicht steht also einer Form gegenüber. In diesem Prozess wird die subjektive Wahrnehmung mit einer objektiven Betrachtung verglichen und gegenübergestellt. Eine neutrale Rezeptionsfertigkeit ist dabei zentral, um die Form als solches und mit den vorhandenen Eigenschaften für sich wahrnehmen zu können. Die Arbeitsphase zwischen Idee, Absicht und Ergebnis gleicht einem Übersetzungsprozess, innerhalb dessen der gestaltende Mensch mit seinen gesamten Eindrücken, Assoziationen, Fähigkeiten und Wunschvorstellungen agiert.

Die Reaktionen, die eine Form und deren Eigenschaften hervorrufen, werden kritisch betrachtet. Gibt es etwa Tendenzen, dass spontane Reaktionen auch mit kultureller Vorprägung bzw. entsprechendem Zeitgeist korrelieren? Derartige Analysen helfen nicht nur jedem Individuum, seinen/ ihren eigenen Standpunkt genauer zu erkennen, sondern machen sichtbar, wie leicht der Blick variiert und verzerrt werden kann. Eine ‚fertig gestellte’ Form ist eine vielfältige Ansammlung von Details und Nuancen. Eine visuelle Aussage ist entstanden.

Zeitloses Aktmodellieren schult in klassischer Art und Weise das Verständnis für die Beziehung von Formelementen. Aktmodellieren bleibt faszinierend durch den Reiz etwas Vergleichbares formen oder um für einen bestimmten Ausdruck arbeiten zu können. Nicht nur die Darstellbarkeit baut manch eine Hürde auf, sondern auch die technischen Herausforderungen, die jede formende Hand für sich fühlen lernen muss, bis die eigenen Hände als Werkzeuge die bildnerischen Vorstellungen wiedergeben können.

Der kunstgeschichtlichen Weiterentwicklung ist es zu verdanken, dass es heute keine Beschränkungen bei der Wahl der verwendeten Materialien gibt, um die Aussage künstlerisch zu transportieren. Eine entwickelte Beziehung zu den Materialeigenschaften ist Voraussetzung, um bei den vielen Variablen und Kombinationsmöglichkeiten bei der Entstehung von Mixed Media Arbeiten mit einer bildnerisch nuancenreichen Aussage überzeugen zu können. Die Aufgabe ist komplex.

Um den Einfluss der Farbe auf die Form zu verstehen, wird der Frage nachgegangen, ob und eventuell welche allgemeinen oder individuellen Korrelationen zwischen Farbe und Form bestehen und welche Formkriterien mit welchen Farbkriterien übereinstimmend kommunizieren.

Multiperspektivische Beobachtungen und Erfahrungen während Schaffensprozesses vereinen sich in einer Kombination von Material, Form und Farbe.

Termine WS 18/19

TATCRAFT –  Externe Werkstatt-Kooperation

Einführung in die Nutzungsmöglichkeiten durch Mitarbeiter von Tatcraft

beide Fachbereiche

Di, 23.10.18, 10 Uhr

TATCRAFT, Gwinnerstr. 42, 60388 Frankfurt, www.tatcraft.de

Voranmeldung bis Fr 19.10. per E-Mail an herzog-hellsten@hfg-offenbach.de (Name, FB,  Prof., Matrikelnummer, Semesterstand)

Wasserbasierte Lacke

Einführung und Vorführung durch Fa. Brillux

beide Fachbereiche.

Mi, 07.11.18, 10-12 Uhr

Lackierraum Geleitstr. 103 (UG)

Voranmeldung bis Fr 2.11. per E-Mail an herzog-hellsten@hfg-offenbach.de (Name, FB,  Prof., Matrikelnummer, Semesterstand)

Wohlproportionierte Nuancen - Porzellan und Steinzeug Schalen

Vortrag von der Architektin  Bettina Dirks-Schmunk mit Betrachtung von ca. 100 mitgebrachten Schalen

Mit ihren Porzellan- und Steinzeug-Schalen fokussiert die Architektin auf kleinste Nuancen in den Proportionen. Anhand eigener, handgefertigter Porzellan-Unikate erläutert sie die Bedeutung des Betrachtens während der Entstehung und das fortwährend systematische Justieren der Einzelheiten, bis eine ‚stimmige Form’ erreicht ist.

Do, 08.11.18, 10-11:30 Uhr

Keramik Geleitsstr. 103 (UG)

Voranmeldung bis Fr 2..11. per E-Mail an herzog-hellsten@hfg-offenbach.de (Name, FB,  Prof., Matrikelnummer, Semesterstand)

Der Vortrag richtet sich an alle Studierende beider Fachbereiche, die sich für nuancenreiche Variationen in der Formherstellung interessieren.